Dieter SteigerDieter Steiger SAP Solution Manager – mehr als Schall und Rauch?

15.10.07 by Dieter Steiger

Der Name Solution Manager impliziert eigentlich schon, dass der SAP Solution Manager beim Management der SAP Kundenimplementierungen Unterstützung bieten sollte. Tut er dies wirklich oder ist er nur ein SAP Marketinginstrument?

Fehlende Funktionalität für komplexe Systemlandschaften
Bei der Diskussion über den SAP Solution Manager muss SAP positiv angerechnet werden, dass SAP, als einer der wenigen Softwarehersteller von Standardlösungen, überhaupt eine entsprechende Solution Management Plattform zur Verfügung stellt.

Betrachtet man die einzelnen Komponenten des SAP Solution Manager trifft man jedoch eher ein Patch-Work an. Es macht den Anschein, als ob viele Funktionen nur proforma, im Hinblick auf die Qualifizierung in Ausschreibungen, eingebaut wurden. Viele Komponenten sind vorhanden, jedoch nur teilweise und ungenügend integriert. Um wirklich Kundenimplementierungen zu managen, werden zudem noch Office-Lösungen benötigt. Dies kann jedoch nur bei verhältnismässig kleinen SAP Implementierungen Sinn machen. Beim Einsatz in komplexen organisatorischen Konstrukten oder komplexen heterogenen SAP-Systemlandschaften sind solche Lösungen wegen der vielen zusätzlichen Abhängigkeiten unzureichend.

So werden heute leider bei SAP Solution Manager Implementierungen meistens nicht die eigentlichen Anforderungen des Kunden in den Vordergrund gestellt, sondern die Funktionalitäten, welche der SAP Solution Manager standardmässig bietet.

Tatsächliche Anforderungen an eine SAP Solution Management Plattform
Viele Anforderungen an ein SAP Solution Management können aus den Bedürfnissen für eine umfassende ERP4IT Umgebung abgeleitet werden. Es ist enorm wichtig, dass der gesamte Service Lifecycle der SAP Implementierung mit all seinen dokumentarischen, organisatorischen und technischen Abhängigkeiten verwaltet werden kann. Dies muss von der Entstehung der ersten Prozessimplementierungen, über Erweiterungen und Fehlerbehebungen, bis hin zur Prozessdeaktivierung gelten.

Weiter sollten über den gesamten Lifecycle der Solution sämtliche Kosten- und Leistungsverrechnungen (integriertes Financial Management) ersichtlich sein. Denn nur so können Aussagen über Kosten und Nutzen einer Kundenimplementierung gemacht werden.

Bei der Betrachtung der Lösung sollte diese gemäss den von ihr unterstützten Business Services (BS) unterteilt werden. Dies erlaubt die Ausrichtung auf die Gesamtziele der Organisation. Nur so kann ein effektives Service-Portfoliomanagement(SPM) zum Tragen kommen und die gewünschte Wirksamkeit der Implementierung erreicht werden. Ein solches Service Portfolio Management zeigt, dass IT Service Management (ITSM) und das Projektportfoliomanagement (PPM) im Zuge einer konsequenten Serviceorientierung nicht mehr isoliert betrachtet werden können.

Ergänzend sollten moderne Solution Management Applikationen in den Prozessen direkt konsistenzsichernde Massnahmen enthalten, um Risiken zu minimieren. Wo immer möglich, sollten Automatismen zum Tragen kommen. Dies wird durch eine Digitalisierung oder Codierung erreicht. Organisatorische Aufgaben sollen soweit wie möglich automatisch ausgeführt werden können.

Folgendes Beispiel verdeutlicht diese Aussage: Mittels Digitalisierung wird die Überholerproblematik sichergestellt (konsistenzsichernde Massnahme), da mit der Freigabe (organisatorische Aufgabe) die Transporte direkt ausgeführt (Automatisierung) werden.

Nebenbei: Konsistenzsichernde Massnahmen sind speziell dann gefragt, wenn die Änderungen zur Lösung mittels einem Templateansatz verteilt werden. So führt der Einsatz von Business Configuration Sets (BC Sets) zu Inkonsistenzen zwischen Templates und den dezentralen Implementierungen, weil das Customizing der belieferten Systeme jederzeit angepasst werden kann. Mit Customizing Verteilung und Sperrmechanismen bietet im übrigen auch der SAP Solution Manager für dieses Problem einen Lösungsansatz, welcher leider viel zu wenig bekannt ist.

Fazit
Es ist von grosser Wichtigkeit, dass der Kunde eine klare Vorstellung über die relevanten Informatikprozesse für das SAP Solution Management hat. Das heisst, nicht das Solution Management Tool muss im Vordergrund stehen, sondern die Risiken, die mit Solution Manager adressiert und minimiert werden müssen. Daraus leiten sich dann die wirklichen Anforderungen ans Solution Management ab.

Weitere Blogbeiträge zu SAP Solution Manager

Sphere: Related Content

4 Kommentare

Kommentar schreiben

XHTML: Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>