Nicolaj AmmannNicolaj Ammann Lifecycle Management – muss es ein Albtraum bleiben?

30.10.07 by Nicolaj Ammann

Andrea Wender und Daniel Eveloper arbeiten in derselben Firma. Sie kennen sich von der Cafeteria im Erdgeschoss und grüssen sich, wenn sie einander begegnen. Bis anhin hatten sie weiter nichts miteinander zu tun. Heute steht ihr erstes gemeinsames Meeting an. Noch wissen sie nicht, dass dies ihr weiteres Leben beeinflussen wird.

Andrea und Daniel sitzen im Sitzungszimmer 3.22.

Andrea ist im Personalwesen zuständig für die Mitarbeiterschulung und befasste sich mit dieser Thematik bereits vor ihrem Eintritt in die Firma. Dieser liegt mittlerweile 6 Monate zurück. Sie hat genaue Vorstellungen, wie die Personalprozesse im ERP System (Enterprise Resource Planing) abgebildet sein sollen und vor allem weiss sie, welche Erweiterungen und Änderungen noch fehlen. Um diese zu realisieren hat sie Daniel eingeladen. Er wurde ihr vom CIO (Chief Information Officer,Informatikleiter) empfohlen.

Daniel besitzt langjährige Informatikerfahrung und ist seit langem in der Firma aktiv. Seit Jahren beschäftigt er sich mit Entwicklungen für verschiedene ERP Systeme. Er hat schon eine Vielzahl von Releasewechsel, Systemeinführungen sowie Konsolidierungen erlebt und diese dank seiner guten Konstitution mehr oder weniger schadlos überlebt.

Im Fall mit Andrea muss er nun zum wiederholten Mal eine etwas zu euphorische Programmverantwortliche auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Was denken die sich eigentlich? Die gewünschte „kleine“ Erweiterung bedingt leider einen Servicepackstand, welcher erst für kommenden Sommer geplant ist und zwei intensiven Testphasen auf den Entwicklungs- und Vorproduktionssystemen folgt. Erfahrungswerte zeigen, dass Einspielen, Konfigurieren und Testen dieser Erweiterung weitere 2-3 Monate beanspruchen werden. Vorausgesetzt, dass dieses Mal alles wie geplant über die Bühne gehen wird.

Für die von Andreas gewünschte „kleine“ Änderung bedingt es Anpassungen in einer kundenspezifischen Applikation. Somit sieht es noch schlechter aus. Der Entwickler von damals ist einem besseren Jobangebot gefolgt – die Weiterbildungsmöglichkeiten in der Firma waren etwas karg. Nun weiss niemand mehr so richtig, wie diese Applikation genau funktioniert. Und was noch schlimmer ist, wer auf die zahlreichen Schnittstellen dieser Applikation zugreift. In durchwegs freundlichem Ton und einem charmenten Lächeln sagt er dann sinngemäss, „never touch a running system“. Es tut ihm eigentlich Leid, dass er dieser sympathischen Frau den Wind komplett aus den Segeln nehmen musste.

Mit schweissnassen Händen schaut Andrea auf die Uhr. Diese steht neben ihrem Bett und zeigt 06.55 Uhr an. Sie braucht ein paar Augenblicke, bis sie erleichtert feststellt, dass sie eben aus einem bösen Traum erwacht ist. Einem durchgewegs realistischen Traum. Nur langsam beruhigt sich ihr hoher Herzschlag wieder.

Zwei Stunden später sitzen Andrea und Daniel nun wirklich im Sitzungszimmer 3.22.

Nachdem Andrea ihre kleinen Änderungsünsche betreffend der ERP-Erweiterung in Form von Anforderungen aufgezeigt hat, weiss Daniel bereits, was er zu tun hat.

Er setzt sich mit seinem Notebook neben Andrea und startet dieses Tool, welches auf den ersten Blick die Systemlandschaft anzuzeigen scheint. Andrea erkennt sofort, wo ihr System abgebildet ist. Was für Andrea auf den ersten Blick verborgen bleibt, sind die Informationen, welche von diesem Tool über die Systeme gesammelt und zueinander in Verbindung gebracht wurden. Aber eigentlich ist dies auch nicht notwendig. Daniel weiss, welche Informationen abgerufen werden können.

Nachdem er festgestellt hat, dass ein neues Servicepack eingespielt werden muss, führt er für dieses eine Impactanalyse aus. So werden alle betroffenen Objekte aufgelistet und die damit verbundenen Prozesse sichtbar. Es sind ein Vielzahl von Prozessen, die immer wieder von Anpassungen betroffen sind. Die Testscripts dafür wurden deshalb schon lange erstellt. Nur zwei relativ neue Prozesse werden aufgeführt, für welche ein neues Testscript erstellt werden muss. Bis zum Upgrade des Systems in einer Woche stehen diese aber mit Sicherheit bereit. Den Auftrag dafür hat er eben elektronisch abgesetzt. Dasselbe macht er für die gewünschte Erweiterung selbst und stellt dabei gleich fest, dass dadurch drei neue Prozesse implementiert werden. Andrea ist überrascht, wie gut sich Daniel mit ihren HR (Human Resources) Themen auskennt.

Die Auswirkungen der nötigen Änderungen an der kundenspezifischen Applikation ist sofort sichtbar. Die zu erweiternde Schnittstelle wird nur von einem Auswertungstool verwendet. Diese zu testen und gegebenenfalls anzupassen, wird nicht länger als 10 Minuten dauern. Auch hierfür kann er den Auftrag an den Entwickler direkt auslösen. Der so initiierte Vorgang beinhaltet aber nicht nur die Entwicklungsaufgabe. Er wird erst abgeschlossen sein, wenn die nötigen Tests durchgeführt und betroffenen Dokumentationserweiterung erledigt wurden.

Die Sitzung hat nicht ganz so lange gedauert wie Andrea kalkuliert hatte. So reicht es den Beiden noch, um zusammen einen Kaffee trinken zu gehen. Andrea nimmt sich dabei vor, dem CIO für die Empfehlung von Daniel zu danken.

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