Dieter SteigerDieter Steiger Configuration Management für SAP Customizing?

12.06.08 by Dieter Steiger

Ein umfassendes Configuration Management ist DIE solide Basis für SAP Change und Transport Management. Für ABAP Code ist dies allgemein akzeptiert und werkzeugtechnisch leicht zu unterstützen. Wer aber macht schon Configuration Management für SAP Customizing?

Nach unserer Beurteilung besteht der grösse Teil der transportierten Changes in einer SAP Systemlandschaft aus Anpassungen an Customizing. Kein Wunder, dass bei fehlender Disziplin im Configuration Management für diese Objekte die Verantwortlichen für das Change und Transport Management nach Roll-outs permanent mit Problemen kämpft. Konsistentes Ändern und Verteilen von Customizing Changes braucht ein striktes Configuration Management.

Sollen SAP Templates unternehmensweit eingesetzt und geschützt werden, ist es umso wichtiger, dass zentrale und lokale Objekte sowohl in der aktuellen Version wie auch über ihren Lebenszyklus sauber dokumentiert werden.

Ein umfassendes SAP Configuration Management für die gesamte SAP Landschaft soll die objektübergreifende Integrität aller von der SAP Entwicklung betroffenen Objekte, also ABAP und nicht-ABAP-Objekte, sicherstellen:

  • Eindeutige, institutionalisierte Namenskonventionen widerspiegeln die Zugehörigkeit von Objekten zu Organisation, Bereichen und Projekten
  • Alle Änderungen an Objekten, also auch an einzelnen Customizing-Einstellungen, sind dokumentiert. Es ist klar, wer wann Owner von Einstellungen ist, wer Änderungen aus welchem Grund vornehmen kann und vorgenommen hat. Dies ermöglicht im Nachhinein die Veränderungen nachzuvollziehen, was einer Versionierung entspricht.
  • Ebenso ist dokumentiert, wer und was auf einer Customizing-Einstellung basiert. Dies ist eine wichtige Grundlage für ein sinnvolles Impact Mangement.

Die Einhaltung solcher Richtlinien für ein umfassendes SAP Configuration Management muss bei jeder Änderung an den Systemen der SAP Systemlandschaft überwacht werden.

Um dies zu erreichen, muss das Change und Transport Management sauber organisiert werden. Für Transportobjekte und Transporte müssen Namenskonventionen aufgebaut, Transportpakete inhaltlich zusammengehörig gruppiert, organisatorische und technische Prozesse entsprechend definiert und die Einhaltung sichergestellt werden.

Gewisse Projekte werden durch ein sauberes, umfassendes SAP Configuration Management erst wirklich ermöglicht. So sind die Herausforderungen für die SAP Organisationen von Unternehmen bei Mergers und Acquistions, bei strategischen Outsourcing-Vorhaben, beim Insourcing und bei regionalen oder globalen Konsolidierungen von Systemen ohne ein Configuration Management auch für Customizing Changes enorm hoch, oft zu hoch. Ein gutes Fundament in obigem Sinne jedoch erlaubt, auch solche Vorhaben mit vernünftigem Aufwand zu planen und erfolgreich umzusetzen. Anpassungen von mehreren Systemen lassen sich damit ohne fatalen Impact mit den Systemen konsolidieren.

Ein umfassendes SAP Configuration Management erlaubt zudem, die Daten zu Transporten, den transportierten Objekten und dem Ergebnis der Transporte über die Zeit zu erfassen und auzuwerten! Ähnlich wie man mit geeigneten Analysewerkzeugen, wie beispielsweise dem Werkzeug von Prospero, für SAP Logistikprozesse Auswertungen über Ursachen von Problemen oder gar Vorhersagen über deren Ergebnis machen kann, wird dies mit SAP Change Management Daten auch für den Transport von SAP Changes möglich. Das Verbesserungspotential für das SAP Change und Transport Management in komplexen SAP Landschaften ist auf jeden Fall enorm.

Fazit
Ein umfassendes SAP Configuration Management ist wohl die wichtigste Disziplin, um ein konsistentes, effizientes SAP Change und Transport Management sicherzustellen. Nur so kann die customizing-technische Konsistenz einer SAP Systemumgebung überhaupt sichergestellt werden.

Das Potential für Qualitätsverbesserungen und Einsparungen durch Investitionen ins SAP Change und Transport Management bei grossen, globalen SAP Anwendern wird leider wegen seiner vermeintlichen technischen Komplexität meist nicht genutzt. Übrigens: Wird die Herausforderung angegangen, zeigt sich rasch, dass die Probleme mehr politischer oder unternehmenskultureller als technischer Art sind.

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