Nicolaj AmmannNicolaj Ammann Poker – die Fruchtfliege des Changemanagements

05.08.08 by Nicolaj Ammann

Wie so viele in meinem Bekanntenkreis bin auch ich dem Pokerspiel verfallen. Wenn ich von Pokern schreibe, meine ich die allgegenwärtige Version des Texas Hold’em Poker und nicht etwa die für mich dem Glückspiel zuzuordnenden Pokervarianten Draw Poker.

In meiner zweijährigen Pokerkarriere habe ich bisher folgende Phasen durchlebt:

Stadium

Beschreibung

Beobachtungen

Anfänger

So sehr mit den Rahmenbedingungen beschäftigt, dass nichts vorhersehbar scheint.

Es spielen vorwiegend andere.

Versteher

Einige HowTo's gelesen und die Grundprinzipien verstanden.

Ich spiele mit. Ich gewinne erstaunlich oft.

Niederlagen enden gerne fatal.

Erfahrener

Früher übersehene Mechanismen und Softfaktoren entdeckt und versucht anzuwenden.

Bereits einige Male den Gegner „gelesen" und grössere Verlust verhindert.

Unbesiegbarer

Mit allen Werkzeugen ausgestattet.

Mit einigen Erfolgen gekrönt. Trotzdem immer noch unnötige Fehlleistungen.

Erkennender

Wirklich mit allen Werkzeugen ausgestattet?

Um über lange Frist erfolgreich zu sein, müssen laufend neu Erkenntnisse ins Spiel integriert werden.

Mit jeder neuen Erkenntnis fühlte ich mich im Spiel gegen andere besser gerüstet. Aber mit jeder Erkenntnis wurde mir bewusst, dass diese meine Vorstellungen vom Spiel über den Haufen werfen konnten. Jede Erkenntnis muss ich zuerst in mein Spiel einbauen und praktisch ausprobieren, bevor ich es in mein Repertoire aufnehmen wollte.

Changemanagement 1) Der kurze Lebenszyklus des Pokerspiels ist ein perfektes Experimentierfeld, um die Mechanismen beim Spiel Veränderungs-Management zu verstehen. Wenn man als Changemanager in der IT vielleicht alle paar Wochen oder Monate ein Projekt mehr oder weniger erfolgreich zu Ende bringen, die Auswirkungen der Veränderungen auf die gesamte Umgebung beobachten und somit daraus lernen kann, ist es beim Pokerspiel ein Zyklus von Minuten.

Analog wie die Fruchtfliege 2) mit ihrer kurzen Generationenfolge ein ideales Forschungsobjekte für Genetiker ist, kann das Pokerspiel Anschauungsbeispiel für den Changemanager sein.

Erkenntnisse

  • Geduld; der Erfolg kann nicht erzwungen werden. Changemanagement Kompetenz wird auch Phase für Phase erlernt.
  • Man kann auch mit den besten Voraussetzungen (AA) verlieren.
  • Als Anfänger spielt es sich sehr unbeschwert. Man spielt (für andere) unkonventionell, mutig und somit unberechenbar und aggressiv. Dies ist leider fast nur beim Pokern eine gute Eigenschaft.
  • Das Gewinnen beim Pokern zu planen sieht ein wenig wie ein Baum aus; alles beginnt bei den Wurzeln und verzweigt sich von dort aus. Unglücklicherweise merken das nur sehr wenige Spieler. Wenn dann eine Person ein Problem erkennt, hackt sie oft zuerst die Äste ab, anstatt zu den Wurzeln zu gehen. 3)
  • Die allerwichtigste Erkenntnis die ein Spieler handhaben sollte, ist nicht Mathematik, ist nicht die Analyse der Gegner, es ist nicht die gute Auswahl der beginnenden Karten, es ist kein solider Spielplan, es ist... Selbstkontrolle! 3)
  • Wenn Sie ein erfolgreicher, ziemlich glücklicher Spieler werden wollen, arbeiten Sie zuerst an Ihrer Selbstkontrolle -- und ich meine damit, dass Sie daran jeden Tag arbeiten sollten. Es gibt nichts Vergleichbares. 3)

Einen gewichtigen Unterschied gibt es aber dennoch zwischen Pokern und Changemanagement; man kann beim Pokern alles richtig machen und dann trotzdem verlieren.

Beim Pokern sind die eigenen Karten und die Gegner bekannt. Die Letzteren haben das offensichtliche Ziel, das Spiel selbst zu gewinnen. Beim Changemanagement müssen sowohl die Karten wie auch die Gegner zunächst ausgemacht werden.

Quellen 1) http://blog.beteo.ch/category/application-lifecycle-management/change-management/ 2) http://de.wikipedia.org/wiki/Drosophila_melanogaster- die Fruchtfliege 3) http://www.playwinningpoker.com/poker/de/discipline/ von Steve Badger

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