Marcel MorfMarcel Morf Anforderungen mit RequisitePro und QC managen

31.03.09 by Marcel Morf

Software kann gezielt und qualitativ hochstehend getestet werden, wenn die Testabteilung Zugriff auf vollständige und messbare Anforderungen für das zu entwickelnde Produkt erhält. Gerade im Zusammenhang mit laufend ändernden Anforderungen ist dies kein einfaches Unterfangen. Bei einem unserer Kunden haben wir gezeigt, wie die Durchgängigkeit von Anforderungsmanagement bis Testmanagement auch über verschiedene Systeme hinweg sichergestellt werden kann. Für das Festhalten der Anforderungen werden in unserem Praxisbeispiel verschiedene Werkzeuge eingesetzt: Diese Verwendung entstand über die Zeit in den verschiedenen Organisationseinheiten, ist historisch gewachsen und pro Bereich quasi strategisch gesetzt.

Ausgangslage & Problemstellung

Die Business-Anforderungen werden von der Fachabteilung in Word, Excel erfasst und teilweise in Jira geführt. Hiervon leitet das Entwicklungsteam die funktionalen und nicht-funktionalen Anforderungen ab und dokumentiert und verwaltet diese im IBM Rational RequisitePro. Um für die Testorganisation die Durchgängigkeit der Anforderungen sicherzustellen, müssen diese Anforderungen von RequisitePro ins HP Quality Center übernommen werden. Dazu gehören Attribute wie Anforderungsname, Anforderungstyp, Priorität und Benutzer, aber auch Diagramme, Use Cases, Bilder und Tabellen. Beim Import der Anfroderungen via dem QC Excel Add-in von MS Excel ins Quality Center muss darauf geachtet werden, dass:
  • jedes Mussfeld gültige Daten (beispielsweise Zahlen bei einem nummerischen Feld) mitliefert
  • die zu importierenden Daten nicht die Inputlänge eines Feldes überschreiten
  • die Formatierung und Grafiken beim Import nicht verloren gehen
  • die Daten dem entsprechen, was erwartet wird (so akzeptiert das Priority Feld standardmässig nur folgende Werte: 5-Urgent, 4-Very High, 3-High, 2-Medium, oder 1-Low)
Die damalige Standardschnittstelle zwischen RP und QC, der  ‘Quality Center Synchronizer‘, wurde aus Stabilitäts- und Werkzeugshoheitsgründen nicht verwendet. Ein geeigneter Lösungsansatz musste gefunden werden, welcher der Testorganisation eine einfache Möglichkeit zur Vorbereitung der Testspezifikationen im Quality Center bot.

Zeitpunkt

Zunächst stellt sich die Frage nach der Einbettung des obigen Übergangs in den vorhandenen Entwicklungs- und Testprozess. Die Wahl des Zeitpunkts für die Übernahme der Anforderungen hat entscheidende Auswirkungen auf alle Projekte und deren Arbeitsablauf. Ist der Zeitpunkt zu früh gewählt, besteht die Gefahr, dass die Anforderungen für die Testspezifikationen ungenügend und ungenau sind. Ist der Zeitpunkt zu spät gewählt, läuft die Testorganisation in terminliche Probleme bei der Testabwicklung. Angelehnt an die Projektphasen Vorstudie, Grobkonzept, Detailkonzept, Realisierung, Einführung und Betrieb befindet sich der ideale Zeitpunkt für den Import der Anforderungen erfahrungsgemäss nach dem Detailkonzept in der frühen Anfangsphase der Realisierung.

Werkzeugunterstützung

Um den Ablauf zu standardisieren und zu beschleunigen, wird die Übergabe werkzeugtechnisch unterstützt. Dies geschieht in zwei Schritten. 1. Schritt: Zunächst werden alle funktionalen und nichtfunktionalen Anforderungen aus IBM Rational RequisitePro als Word-Dokument auf den zentralen und für alle Projekt-Mitarbeiter bekannten File-Server exportiert. 2. Schritt: Ein Excel Template mit den Attributen Anforderungsname, Anforderungstyp, Priorität, Beschreibung, Risiko und dem Link zum Word-Dokument wird per Export befüllt, um anschliessend übers QC Excel Addin ins Quality Center eingelesen. Somit wird automatisch eine Baseline im QC-Requirementsmodul erstellt, welche gleichzeitig ein Testauftrag für die Test Factory ist. c Abbildung 1: Durchgängigkeit für das Requirement Management

Nachvollziehbarkeit bei Veränderungen

Damit die Veränderungen der Anforderungen auch für das Testteam nachvollziehbar werden und nur der aktuelle Stand getestet wird, muss sich ein Projekt strikt an den Änderungsprozess halten. Dieser Änderungsprozess wird zur Zeit noch definiert. Folgendes wird unter anderem in diesem Prozess enthalten sein:
  • Anforderungen dürfen, nach entsprechender Freigabe, nur im RequisitePro angepasst oder neu erstellt werden.
  • Neue oder geänderte Dokumente müssen der Testorganisation, beziehungsweise dem verantwortlichen Testmanager, weitergeleitet werden.
  • Es gibt regelmässige Projektmeetings.
  • Der Testmanager nimmt die Änderungen entgegen und führt sie im QC entsprechend nach.
  • Testfälle und Testauswertungen werden, falls sich die entsprechende Anforderung geändert hat, manuell markiert, gesichtet und angepasst.
Die automatische Benachrichtigung bei Änderung an Anforderungen via E-Mail an den Testmanager oder ein Freigabeprozesse mit automatischen Updates der Anforderungen im Quality Center wäre möglich, ist aber noch nicht implementiert.

Fazit

Die Testorganisation hat das erste Ziel mit dem Zugriff auf die vollständigen funktionalen und nichtfunktionalen Anforderungen erreicht. Die in zwei Schritten importierten und verlinkten Anforderungen stellen die Basis für einen klar definierten Testauftrag dar. Somit bezieht sich die Testorganisation ‚nur‘ auf die bekannten und abgenommenen Anforderungen, welche direkt mit den einzelnen Requirements im Quality Center verlinkt sind. Dank dem Änderungsprozess können Auftraggeber und Projektmanagement in Zusammenarbeit mit dem Testmanagement sicherstellen, dass Anpassungen der Anforderungen nachvollziehbar und dokumentiert vorgenommen und der Testorganisation übermittelt werden. Damit wird verhindert, dass die Testorganisation veraltete oder nicht abgenommene Anforderungen testet. Die Tests werden gezielter durchgeführt, was sich in der erhöhten Software Qualität wiederspiegelt. Für eine automatisierte Synchronisation (welche alternativ auch von Hand gestartet werden kann) zwischen RequisitePro und HP Quality Center  ist der neue  HP Quality Center Synchronizer zu empfehlen. Dieser synchronisiert auch jegliche Art von Anhängen. Allenfalls macht ein vorgängiges Upgrade auf Quality Center 10.0 Sinn. Sphere: Related Content

Ein Kommentar

  • 1
    Obits Obrist:

    Wir haben in unserem Windows 7 Projekt die Schnittstelle von Requisite Pro nach HP Quality Center so aufgebaut, das ein Austausch der Daten lediglich von Req Pro nach HP QC über einen Export funktionierte. Der Master blieb im ReqPro und Änderungen jeweils ins Test Tool überführt. Alle Anpassungen wie Testcases in HP QC blieben erhalten. Eine Synchronisation beiderseits haben wir als nicht nötig erachtet und bis jetzt diesen Entscheid nicht bereut.

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