Fritz MosonyiFritz Mosonyi SAP Business Process Change Analyzer Konzept – kann es aufgehen?

06.04.09 by Fritz Mosonyi

Vor kurzer Zeit konnte ich im Rahmen einer DSAG Veranstaltung einer einstündigen Präsentation mit Live-Demo zum Thema Business Process Change Analyzer lauschen. Das Tool ist ja brandneu, und im SAP SolutionManager Enterprise Edition enthalten.

Was ist der SAP Business Process Change Analyzer?

Mithilfe des SAP Business Process Change Analyzer soll der Einfluss von technischen Änderungen auf die laufenden Geschäftsprozesse ermittelt werden können. Dabei können sowohl eigene Transporte, als auch SAP-Transporte (z.B. Support Packages) analysiert werden.

Vorraussetzungen für den Einsatz

  • Grundvorraussetzung ist ein gepflegtes Business Process Repository. Also die, zumindest rudimentäre Dokumentation aller Geschäftsprozesse im Solution Manager, bis auf Transaktionsebene hinunter.
  • Zweite Vorraussetzung ist, dass für jede einzelne, dokumentierte Transaktion die sog. T-BOM (Technical Bill of Material) aufgezeichnet wird.

Wie funktioniert der SAP Business Process Change Analyzer?

Die Analyse wird gestartet, indem man dem Tool die Liste der zu überprüfenden Tranporte mitgibt. Der Schlüssel der Analyse ist die T-BOM. Die Liste der darin enthaltenen Objekte wird mit den Objektlisten in den zu prüfenden Transporten verglichen und anschließend als Trefferliste ausgegeben.

Warum das Konzept des SAP Business Process Change Analyzer nicht aufgehen kann

Die notwendige Dokumentation der Prozesse und der dazugehörigen T-BOMs wird nie im notwendigen Umfang und der nötigen Aktualität vorhanden sein. SAP selbst „empfiehlt“ diese für die Kernprozesse zu erstellen. An diesem Punkt stellt sich für mich die Frage, wozu überhaupt für Kernprozesse eine Impact Analyse gemacht wird.

Prozess ABC-Analyse

Kernprozesse definiere ich gerne, als die Prozesse, die wenn sie auch nur kurz stillstehen, einen erheblichen finanziellen und Image- Schaden herrvorrufen. Meiner Erfahrung nach beinhalten diese Prozesse bei den meisten Unternehmen nicht mehr als 10-30 SAP Transaktionen. Umgekehrt werden durchschnittlich rund 2.000-6.000 SAP Transaktionen von allen Benutzern pro Monat genutzt.

Allein diese Zahlen belegen, dass sich hier eine große Kluft ergibt. Bei meinen Kunden empfehle ich, immer eine ABC Analyse der genutzen Transaktionen vorzunehmen. Wobei Transaktionen, die die A-Kategorie hineinfallen, auf jeden Fall getestet werden sollten, ganz egal was eine etwaige Analyse auch immer empfiehlt. Kategorie A sind auch genau die Prozesse, bei denen es Sinn macht an ein Test-Automatisierung zu denken.

Kategorie B Transaktionen sind jene, die bei Stillstand erheblichen Reibungsverlust intern verursachen und damit zu teilweise nicht unbeträchtlichen Kosten führen. Hierbei handelt es sich aber sehr oft um Objekte, die wenig Aufmerksamkeit erhalten, da sie eben nicht in den Kernprozessen verankert sind. Aus diesem Grund, und weil es sich um  ca. 400 bis 1200 Transaktionen (20% nach der 80/20 Regel) handelt, existiert für diese Klasse auch nur wenig Dokumentation, meist gar keine. Die T-BOMs für 400 bis 1200 (oder mehr) Transaktionen aktuell zu halten, ist praktisch unmöglich. Dabei würde es gerade in dieser Klasse Sinn machen, eine Risikoabschätzung mittels Impact Analyse durchzuführen, um im Anschluss daran eben nur die riskantesten Objekte zu testen zu müssen.

Kategorie C ist schnell abgehandelt. Hierunter sind Objekte zu verstehen, die auch im Stillstand zu keinen großen Störungen führen, und deren Behebung durchaus länger dauern darf. In dieser Kategorie kann auf proaktive Tests verzichtet werden.

Neben diesen aus meiner Sicht prinzipiellen Konzeptmängeln gibt es noch einige technische Details, z.B. bei der Erstellung der T-BOMS, wo ich eine Art deja-vu erlebe und ich SAP hier am Beginn einer Reise sehe, wo IntelliCorp schon vor 5 Jahren war.

Über den Autor: Fritz Mosonyi ist Senior-Berater und Bereichsleiter für SAP-Tools beim beteo Partner SPP Wien.

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