Dieter SteigerDieter Steiger ITIL v3 – Genügt der Ansatz für ALM?

29.06.09 by Dieter Steiger

ITIL (Information Technology Infrastructure Library) ist der de-facto Standard für IT-Service Management. ITIL wurde und wird laufend von OGC (Office of Government Commerce) beschrieben ITIL ist verbreitet und anerkannt in der Definition der Strukturen und Prozessen von IT-Operation-Services. 1999 wurde ITIL v2 eingeführt und 2007 folgte die neue Version ITIL v3.

ITIL v3 im Vergleich zu ITIL v2

Der Hauptunterschied zwischen ITIL v3 und ITIL v2 ist die Abbildung des Lebenszykluses für IT-Services. Die Hauptprozesse (Service Support und Service Delivery) von ITIL v2 wurden abgelöst durch die 5 Hauptprozesse in ITIL v3: Service Strategy, Service Design, Service Transition, Service Operation und Continual Service Improvement. Die Unterprozesse bleiben weitgehend gleich, wobei aber wegen der neuen Gesamtstruktur die Schnittstellen zwischen den Prozessen angepasst werden mussten. Zu den Unterprozessen gehören zum Beispiel: Incident Management, Problem Management, Release Management, Configuration Management, Capacity Mangement oder Service Level Management.

ITIL v3 Prozesse

ITIL v3 Prozesse

Mängel von ITIL

Es muss dabei beachtet werden, dass ITIL nur ein Vorschlag (best practice) ist, wie die Prozesse idealerweise ausschauen können. Die eigentliche praktische Ausführung der Prozesse kann aber im Kontext der betroffenen Unternehmung logischerweise davon abweichen. ITIL ist sehr allgemein definiert, so wird z.B. wird immer von Services gesprochen wobei die Art von Services nicht konkretisiert werden und es je nach Service-Typ grössere Unterschiede in den Prozess-Definitionen geben kann.

Ressourcen-Planung

ITIL fokussiert sehr stark auf das Gebiet des Betriebes von Lösungen und nicht auf neue, aus dem Business gestellte Anforderungen, die über Projekte abgewickelt werden. Diese Bereiche sind somit nicht nur organisatorisch, sondern auch methodisch voneinander getrennt. Denn auf der Projekt-Seite gibt es durchaus ausgereifte Projektmanagement-Methoden, wie z.B. der ebenfalls von OGC definierte PRINCE2-Standard, der schweizerische Projektführungsmethode HERMES oder das amerikanische PMI . Das Problem ist die Schnittstelle zwischen den zwei Gebieten und die fehlende übergreifende Methode, um die gesamten Projekt- und Betriebs-Prozesse zu verwalten. Denn schlussendlich greifen beide „Seiten“ auf die gleichen Ressourcen und Systeme zu. Meistens versuchen sie das auch gleichzeitig.

Service- und Project-Management

Service- und Project-Management

 CoBIT und BSM könnten allenfalls die Brücke zwischen dem ITILv3- und Projekt Management-Standard bilden und als întegrierte Kontroll-Methoden dienen. Sie sind jedoch noch nicht völlig ausgereift, nicht ganz einfach in der Handhabung und lassen den nachhaltigen Fokus auf ein umfassenden Application Lifecycle Management aussen vor. Ergo gibt es  aktuell keinen praktikablen Standard, der die verschiedenen Prozesse vollumfänglich integriert und Applikationen sowie Systemlandschaften ganzheitlich betrachtet.

Weiterführende Links:

Configuration Database

Eine Möglichkeit für eine ganzheitliche Betrachtung ist das Configuration Management. Aber auch hier werden nach ITIL nur Infrastrukturelemente in einer CMDB (Configuration Management Database) verwaltet. Diese sind zudem ist sehr allgemein definiert. Für die sinnvolle und multidimensionale Verwaltung von technischen Software-Komponenten aber auch der betroffenen Business Services reicht die CMDB nach ITIL nicht aus.

Weiterführende Links:

Fazit

ITIL ist als de-facto Standard auf das IT Management im Betrieb beschränkt. Und dort ist ITIL richtig gut. Im übergreifenden Application Lifecycle Management sind die notwendigen Prozesse jedoch weit schwieriger zu definieren. Zum einen weil der gesamte Lebenszyklus von Applikationen und der zugrunde liegenden Komponenten verwaltet werden müssen, zum anderen weil die Komplexität stark zunimmt und je nach Organisations-Umfeld grosse Unterschiede bestehen. ITIL ist etabliert im Bereich der Operation und ist hervorragend für diesen Teil vom gesamten Application Lifecycle Management geeignet. Dafür werden  zum Beispiel das Projekt Portfolio Management für die Priorisierung von Ideen und das Erkennen von Auswirkungen auf laufende Aktivitäten, wie auch das Change und Transport Management für das Planen und Transportieren von Änderungen über mehrere Systemlandschaften hinweg völlig ausser acht gelassen. Entsprechend fehlt es bis heute an guten, ausgereiften und standardisierten Schnittstellen zu den verschiedenen Prozessen der anderen Disziplinen von ALM.

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2 Kommentare

  • 1
    Beate:

    Hallo,
    sehr schöner Bericht.Finde die Zusammenfassung zum Thema ITIL eigentlich sehr interessant.Danke für die Infos, toller Blog.
    Gruß Beate

  • 2
    Mario:

    Danke für den Überblick.
    Ich habe gerade die v2 Prüfung abgelegt und bin nun auch über v3 informiert.

    Mehr davon! Artikel und Blog sind thematisch sehr interessant.

    Beste Grüße,
    Mario

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