Torsten NeumannTorsten Neumann SAP Solution Manager – die Checklistensoftware?

26.03.10 by Torsten Neumann

ALM für SAP. Da haben wir doch den Solution Manager!?

In der Tat: Nehmen Sie sich eine Checkliste zum SAP Application Lifecycle Management, so können Sie sich sicher sein, dass der SAP Solution Manager in jedem Bereich sein grünes Häkchen gesetzt hat. Also können Sie sich zurücklehnen und haben mit der Implementierung SAP Solution Manager das Thema SAP Application Lifecycle Management vollständig abgedeckt. Und das noch mit einer kostenlosen Software. Sie ahnen bereits, dass ich mich nicht so schnell zurücklehnen möchte... Eine SAP ALM-Lösung hat ihr Nutzenoptimum, wenn alle Teile ineinandergreifen und sich zu einem geschlossenen Prozess bzw. sogar zu einem geschlossenen Kreislauf (ein Systementwicklungszyklus im gesamten Lebenszyklus) verbinden lassen. Während der Spezifikation erfasste SAP Anforderungen müssen beispielsweise spätestens beim Testen, aber natürlich auch vorher im Design und der Entwicklung von Software zur Verfügung stehen. Sie müssen in Beziehung gesetzt werden zumindest zu den Testfällen und damit auch indirekt zu bestimmten SAP Komponenten des Softwaresystems. Alle im Entwicklungsprozess erstellten Dokumentationen sind ebenfalls den jeweiligen Software-Komponenten zugeordnet (genauer gesagt sogar bestimmten Versionen von Software-Komponenten, aber das führt hier vielleicht etwas zu weit). Jeder am SAP Systementwicklungsprozess beteiligte Mitarbeiter sollte alle Informationen im schnellen Zugriff haben, welche er für die Erledigung seiner Aufgaben bzw. Rollen braucht. Erleichtert wird dies, wenn sämtliche bearbeiteten Objekte entsprechend strukturiert und in Beziehung gesetzt sind. Optimal geeignet für eine solche Strukturierung ist eine komponentenorientierte Vorgehensweise bei der Softwareentwicklung, wie sie bei Service-orientierten Architekturen (SOA, oder SAP SOA) typischerweise verwendet wird. Meines Erachtens sollte unter SAP SOA dabei mehr verstanden werden als nur Java-Entwicklung und Web Services. Auch für „herkömmliche“ Softwaresysteme eignet sich die komponentenorientierte Vorgehensweise hervorragend – insbesondere wenn man dabei langlebige Systeme vor Augen hat, wie es SAP Implementierungen meist sind. Konventionelle SAP Entwickler sind mit der Aussage, bei ABAP-Entwicklungen oder gar SAP Customizing komponentenorientiert vorzugehen, völlig überfordert. Gerne wird dann in der SAP ABAP Welt behauptet, dass ein SAP ABAP basierendes ERP-System nicht in Komponenten zerlegbar ist: „Im SAP IMG gibt es keine Komponenten!“. Unsere Erfahrung ist eine ganz andere, denn natürlich lassen sich einzelne funktionale Bereiche des SAP IMG zu logisch zusammengehörigen Komponenten zuordnen – und nicht zuletzt ist das SAP Customizing an sich eine technische Komponente. Nachfolgende Grafik illustriert das komponentenorientierte Vorgehen bezogen auf eine heterogene SAP Welt.
SAP Komponente

SAP Komponente

Vor allem in komplexen SAP SOA Projekten ist das Managen der Abhängigkeiten zwischen den unterschiedlichen technischen Komponenten mittels konventionellen SAP Solution Manager basierenden Ansätzen nicht gelöst und auch nicht absehbar. Das nachfolgende Beispiel illustriert die Komplexität in einer typischen SAP Entwicklungslandschaft.
sap systemlandschaft

SAP Systemlandschaft

Um die volle Funktionalität einer logischen Komponente, die sich aus technischen Teilen aus allen Ebenen zusammensetzen kann, testen (SAP Testing) zu können, müssen alle ihre technischen Teile in jeweils zueinander passenden Versionen gleichzeitig auf der entsprechenden Teststufe ausgeliefert sein. Für SAP Customizing und ABAP-Entwicklungen sind dies ein oder mehrere Transportaufträge, für JEE-Entwicklungen die entsprechende(n) Softwarekomponente(n) usw. Erst dann kann im Portal eine Funktionalität verwendet werden, die auf Webservices und damit indirekt JEE-Funktionalität sowie Teilen von ABAP-Funktionen und entsprechendem Customizing basiert. Zusammengefasst sind schon hier mindestens fünf technische Komponenten über mindestens vier logische Systeme enthalten. Dies noch ohne die Abhängigkeit logischer Komponenten untereinander, die es natürlich auch noch gibt! Was dies für das Managen der Abhängigkeiten von Transportaufträgen bedeutet, haben wir bereits in diversen Blogs aufgezeigt. Eine integrierte SAP ALM-Lösung erfasst alle Abhängigkeiten und sorgt dafür, dass der Überblick in einer solch komplexen Landschaft erhalten bleibt. Sowohl die Softwarelogistik kann dann aus dem ALM heraus gesteuert werden als auch die (Weiter-)Entwicklung der Softwarelösung. Alle Anforderungen, Designdokumente, Schulungsunterlagen, sonstigen Dokumente und technischen Artefakte sind zentral verfügbar. Entwicklungsprozess und Releases werden zentral gesteuert. Der SAP Solution Manager bietet inzwischen für viele ALM-Aufgaben gute Einzellösungen – für das von mir skizzierte voll integrierte ALM sind jedoch noch einige Lücken zu schliessen – da die Integration und damit das Ineinandergreifen der einzelnen Lifecycle-Phasen noch nicht sehr weit vorangeschritten ist. Dass die Integration der richtige Weg ist, machen die Hersteller von ALM-Software für reine Java-Entwicklungsprojekte vor: Deren Lösungen bieten in zweiter Generation die Integration zwischen den einzelnen Phasen im Application Lifecycle-Management (z. B. Orcanos ALM 2.0). Diese Tools sind jedoch leider nicht für eine heterogene SAP-Lösung, wie sie in typischen Grossunternehmen vorzufinden ist, geeignet.

Fazit - SAP Solution Manager als Checklistensoftware

Also alles noch graue Theorie und Zukunftsmusik? Nicht ganz: Es gibt bereits erfolgreiche Referenzprojekte, in denen unter Zuhilfenahme der richtigen Werkzeuge und Methoden integrierte ALM-Lösungen für SAP-Umgebungen geschaffen wurden. Sphere: Related Content

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