Dieter Steiger SAP – bis zu 30% zu teuer!

27.09.10 by Dieter Steiger

Die Erfahrung zeigt, dass das Umsetzen und Betreiben von SAP Applikationen typischerweise um 10 – 30 Prozent zu teuer ist. Geschickt positioniert SAP immer neue Systeme, deren Nutzen im Gesamtkontext des Kunden fraglich ist, und die nicht wirklich zu einer SAP Optimierung beitragen. Beispiele hierfür sind: Accelerated SAP (ASAP), SAP Netweaver und natürlich auch die Run SAP Initiative mit SAP Solution Manager.

All diese Systeme führen tendenziell zu Kostensteigerungen bei den SAP Gesamtlösungen. Aber in vielen Fällen müsste der Kunde die empfohlenen Lösungen gar nicht implementieren, da er sie nicht voll, bzw. oft überhaupt nicht nutzt. Genau hier liegt das grösste Potential in der gesamtheitlichen SAP Optimierung, nämlich in der allem zu Grunde liegenden SAP Architektur.

Gegen die Erhöhung von SAP Wartungskosten gab es vor zwei Jahren heftige Proteste. Die Wartung ist aber nur ein kleiner Kostenanteil im Gesamten. Warum wehren sich Firmen oder Vereinigungen nicht systematisch und konsequent gegen den ständigen und massiven Kostenanstieg bei SAP-Systemen? Wahrscheinlich sind sich die meisten Kunden der Optimierungsmöglichkeiten von SAP gar nicht bewusst. In der Optimierung von SAP Systemen steckt ein gewaltiges Sparpotenzial. Man muss es nur aufspüren und die neuralgischen Punkte identifizieren. Interessant ist, dass sich niemand den Themen SAP Optimierung und SAP Kostenregulierung so richtig annehmen will. User-Gruppen tauschen primär fachliche Erfahrungen aus und sind meist wenig auf die betriebswirtschaftliche und unternehmerische Optimierung von SAP-Systemen fokussiert.

Die Interessen innerhalb der SAP Community ermöglichen es, die Kosten hoch zu halten. Dem Softwarehersteller und den SAP Dienstleistern kann das nur recht sein. Unter dem Vorwand der Kostenregulierung liefert SAP immer weitere Produkte und Methoden zur „SAP Optimierung“. Oft wird leider genau das Gegenteil erreicht – die SAP Betriebskosten schnellen zusätzlich in die Höhe. Das Hauptproblem liegt im Vorhandensein des „SAP Ökosystems“. Die verschiedenen Player stehen in regelmässiger Wechselwirkung zueinander. Sie generieren gegenseitig neue Aufträge und sichern so ihre Existenz. Alle wollen auf den Zug aufspringen. Je mehr Konzepte und Lösungen SAP auf den Markt bringt, desto mehr Arbeit gibt es für die Nutzniesser des Ökosystems. Aber ist das auch das Beste für den Kunden? Fakt ist, die Investitions- und Betriebskosten von SAP werden immer weiter gesteigert. Bei einer Kostenanalyse wird SAP  sozusagen mit SAP verglichen, womit auch sonst. Auf diese Weise können neue Kostentreiber generiert werden. Aufgrund der Komplexität der SAP Systeme haben viele Kunden den Überblick verloren und geraten in eine immer grösser werdende Abhängigkeit von SAP. Den Empfehlungen der SAP Community hat man als Nicht-Experte sowieso nicht viel entgegenzusetzen. Teilweise begegnet man in der SAP Beratungswelt sogar einer gewissen Arroganz. Viele schützen ihr Knowhow dadurch, dass sie z.B. für Customization keinerlei Spezifikationen / Dokumentation liefern.  Diese Praxis ist im SAP Beratungsumfeld anscheinend Gang und Gebe. Im Non-SAP Bereich sind solche Arbeitspraktiken schlicht unprofessionell!

Beispiel eines von SAP angeheizten Kostentreibers ist die Run SAP Methodik, eine der neueren Initiativen von SAP. Zertifizierte Beratungsleistungen, meist auf Basis von SAP Technologien, werden hier an die SAP Kunden gebracht. Geschickt bringt SAP den Kunden dazu, die Run SAP Methodik zum Einsatz zu bringen und Investitionen zu tätigen. Betrachtet man die Run SAP Methodik jedoch kritisch, kann man relativ schnell erkennen, dass Run SAP primär SAP selbst (SAP als dem ERP-Standardsoftwarehersteller schlechthin) hilft, ihre Kundenbasis in Bezug auf SAP Standard Changes im Griff zu behalten. SAP integriert neue Konzepte für die Verwaltung und Steuerung von Eigenentwicklungen (natürlich nur ABAP) in den SAP Solution Manager. Unserer Meinung nach wären jedoch Impact-Analysen des SAP Customizing viel wichtiger. Bekanntlicherweise wird ja der grösste Teil einer SAP Umsetzung  mittels SAP Customizing vollzogen.

Fazit

Das Optimierungspotential in SAP-Umfeldern ist enorm. 10 – 30 % Kostensenkung sind bei den meisten SAP Anwendern realistisch. Die SAP Community schützt sich gegenseitig und ist an einer Optimierung oft gar nicht interessiert.

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2 Kommentare

  • 1
    Dirk Kasimirski:

    Hallo Dieter!

    Super Beitrag!

    In der SAP Berater Szene hat sich über viele Jahre
    diese Vorgehensweise etabliert. Viele ehemaliger SAP Berater sind nun auf
    die Seite Ihrer Kunden gewechselt und konnten Ihre Scheuklappen noch nicht ablegen.

    Unter anderem erfordern “Global Templates” und “Single Client” Konzepte die von Dir beschrieben Optimierungspotenziale und dazu benötigen Sie neue Modelle für das Management of Change!

    Beste Grüße
    Dirk Kasimirski

  • 2
    Die Kostentreiber von SAP /// beteo:

    [...] Dirk Kasimirski: Hallo Dieter! Super Beitrag! In der SAP Berater Szene hat sich über viele Jahre diese Vorgehensweise… [...]

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